Blänkscher Fasching 1955

Blänkscher Fasching 1955

Das Hofmarschallamt Seiner Tollität Prinz Karl I. vom Schafholzberg gibt bekannt:

Ab Sonnabend, den 19. Februar 1955, 12.00 Uhr, Kappenzwang im gesamten Stadtgebiet.
Alle Blankenhainer Narren, die ohne närrische Kopfbedeckung angetroffen werden, können nicht als normal bezeichnet werden und haben Gelegenheit, ihren guten Ruf durch die Entrichtung einer Buße von 0,50 DM bei den kontrollierenden Hofbeamten wiederherzustellen.

Dienstag, den 22.Februar 1955
12.00 Uhr: Arbeitsschluß
13.00 Uhr: Ladenschluß
14.30 Uhr: Formieren des Festzuges am Bahnhof
14.45 Uhr: Empfang des Prinzen und der Prinzessin
15.00 Uhr: Abmarsch durch die Stadt
(Bahnhofstraße, Teichstraße, Konrad-Fuß-Straße, Rudolf-Breitscheid-Straße,
Rudolstädter Straße, August-Bebel-Straße, Markt)
Gegen 16.00 Uhr: Festrede des Prinzen vom Rathaus.
Anschließend Faschingsrummel und Tanz in allen Sälen, einschließlich Cohnschlößchen.



An alle Närrinnen und Narren von Blankenhain, vom Schafholzberg, von der Kohlstadt, von der Neustadt und von der Krakau!
An alle Bratworschtasser, an die Edlen von der Sockeninsel und vom Musspritzenorden, an die Geschlechter: von der Nonnengemeinde, an die Vorspänner der Stadtteile Rottdorf, Schwarza und Lengefeld, an die vielen Strohwitwer, Seitenspringer und Witweiber, an alle Tipper und an die übrigen Trottoar-Dämmler!
Der Glanz und Pracht unseres närrischen Festes rückt immer näher und bald werden die gewaltigen Narrenfestlichkeiten unserer Stadt überschwemmen. Zum erstenmal wird ganz Blänksch auf den Beinen sein und Straßen, Säle und Kneipen bis zum Platzen füllen! Wir wollen beweisen, daß wir Fröhlichkeit, Humor und Lebensfreude ungehindert genießen und bis zur letzten Minute auskosten. Das ist aber nur möglich, wenn jeder über alles nicht Bescheid weiß. Alle müßen darauf achten, daß keener dr Quäre macht.
Aus diesem Grunde ordnen wir, der Hohe Elferrat der Stadt Blankenhain, für die Narrenzeit folgendes an:

§ 1 Schmückt die Häuser, daß die Schwarte knackt! Girlanden, Fahnen, Masken, abgenutzte Blumensträuße, ausgediente Lorbeerkränze - alles ist erlaubt, wenn's nur recht bunt wirkt.

§ 2 Wir haben Plaketten besorgt, Kostenpunkt 2,- DM, billiger gings nicht.
Sie sind die Schlüssel für alle Säle, Gastwirtschaften, Mädchenherzen und Männertreue. Auch auf der Straße behüten sie dich. Bei Verlust darf eine neue gekauft werden. Wollt ihrs noch besser haben?

§ 3 Für den Maskenanzug gilt: Je toller - je schöner! Wer ”Ohne alles“ herumläuft, wird wegen Erregung öffentlicher Ärgernis bestraft und muß einen 10 Litertopf Senf öffentlich auf dem Markt auslecken. Närrische Kopfbedeckung ist das wenigste, was die anderen von diesen verlangen dürfen.

§ 4 In der Nähe der Haustüre befindliche Lampen sind bei Einbruch der Dunkelheit zu löschen, damit das Schmusen der Narrenpärchen gefördert wird. Alkoholfüllungen erfolgen nur bis zum Rand voll. In den letzten Jahren stellte sich nämlich bei einigen Gesetzesübertretern totaler Erinnerungsverlust ein. Erst nach langen Untersuchungen konnte festgestellt werden, ob es Männchen oder Weibchen waren.

§ 5 Die Stadtverwaltung nimmt noch Verpflichtungen entgegen von Personen, die freiwillig Bänke an den dunkelsten Stellen des Ortes aufstellen sollen. Für die Stadträte sind die Betonsockel vorgesehen, die an hell erleuchteten Stellen aufgestellt werden. Überzählige Sockel sind für andere Schwerfällige reserviert.     (Ob's hilft)

§ 6 Gute Laune, Frohsinn und Humor sind ebenso wichtig wie das nötige Wechselgeld. Jeder hat es bei sich zu führen.

§ 7 Am Festzug können Kind und Kegel teilnehmen. Was nur Beine hat und damit laufen kann, sollte sich in den Zug einreihen. Heringsfresser, Kater, Affen und sonstige Raubtiere sind ausgeschlossen.

§ 8 Dein Kostüm ist bestimmt schöööön. Anderen ihrs aber auch. Pritschenschlagen, Prügeleien und Rapeleien gefährden dich und andere. Achte in deiner Umgebung auf solche Stänker.

§ 9 Das Fundbüro ist Tag und Nacht geöffnet. Die Närrinnen werden gebeten, verloren gegangene Ehemänner im Morgengrauen dort abzugeben. Ausgabe an die Ehefrauen, morgen's ab 7.00 Uhr.

§ 10 Die Kußfreiheit beginnt am 19. Februar und endet am Aschermittwoch. Für Ängstliche kein Scheidungsgrund.

§ 11 Am Aschermittwoch, früh 8.00 Uhr, beginnt vom Marktplatz aus eine große Treibjagt auf Kater und Affen.


Beschlossen, gesiegelt, gestempelt, genehmigt und unterzeichnet am Donnerstag, wo wir das letzte Mal beisammen waren.
Der Elferrat



Blitzlichter aus dem Lindenstädtchen


Hiermit beantrage ich einen Bezugsschein für eine Hose für meinen Mann, da sein Gesäß vollkommen durchgerutscht ist.
G.R.

Radfahrer Blankenhains!! Wer nimmt in einem Radrennen über folgende Strecke teil: Sockeninsel - Töppergasse - Schmeddegasse - Tutengasse - beim Hellseher wird getankt Blachbichsenecke - Hunnetürkei - ewer de Klinge - zum Ziel Sockeninsel. 1. Preis: gepolsterter und gummibereifter Spazierstock.
Wilhelm, der Stadtbote

Kaufe Motorrad, das nicht immer an Gasthäusern stehen bleibt.
Toni

Suche H u n d e groß und klein!
Der Hundefänger von Blankenhain.

Den kegelnden Frauen von Blankenhain kann die erfreuliche Mitteilung gemacht werden, daß am 01.05.?? im Gelände der ehemaligen Brauerei eine Kegelbahn mit 3 Bahnen erbaut wird.
Na dann: Gut Holz!

Gut dressiertes Pferd sucht besseren Herrn!
Liese von der Asche

Nächstes Jahr sind die Kostüme früher fertig.
Der Hofmarschall

Der Fußball wird in Blankenhain groß geschrieben,
überall sagt man, wo sind bloß die Spieler geblieben?
Sportbegeisterte Blankenhainer seid zufrieden,
deswegen sind wir Fußballer keine Nieten.
Schuld hier an der ganzen Spielmisere
sind einige auswärtige Sportfunktionäre.
Ein Aktiver

Wegen Feuergefahr ist das Rauchen im Badebecken des
Blankenhainer Freibades verboten. Ebenso dürfen sich
hier Männlein und Weiblein nicht necken, hänseln
oder sonstwas machen. Es könnte sein, daß einer Feuer fängt.
Der Bademeester!

Ob Jen'sches oder Häusser-Bier
schmeckt immer gut, drum rat ich dir:
Kommt rein ihr Narren kleen und gruß,
im Cohnschlößchen, da is was lus.


Bei Rolf und Frida kannst du haben
manch Buch für Mädchen und für Knaben,
auch andre närrsche Faschingssachen
und Masken gibt's, da wirst du lachen.


Willst du mal Frischgemüse kaufen,
dann schnell zu Lina hingelaufen.
Bekommst da alles, man kanns kaum ahnen,
saure Gurken, Kürbis und Bananen.


Zum Karneval im Lindenhaus,
da treibt man dir die Sorgen aus.
Bei Anni wird dein Magen lachen,
Keller und Küche bringen nur gute Sachen.


In großer Auswahl bietet Key
Schnaps, Kragenknopf, auch Hühnerei.
Kurzum, du kannst dort alles kaufen,
es lohnt sich, mal zu ihm zu laufen.


Von alten Herrn zur jungen Göre
bestaunt man Knotes Neon-Röhre.
Soll jemand ein Opfer des Faschings sein,
kauf einen Kranz bei Knote ein.


Für den Acker, für das Haus,
sucht der Landmann bei uns aus.
Alles kauft man günstig ein
in der BHG in Blankenhain.


Bei Katerstimmung streiche beruhigt deinen Bart.
Hölschers Brause ist einzig in ihrer Art.
Sie hilft den Kater dir vertreiben,
du erhältst sie in allen Blänkschen Kneipen.


Gemüse, Obst und Hyazinthen
kannst alles du bei Gesper finden.
Im Kopf sieht's Mittwoch finster aus,
seine Gurken treiben den Kater aus.


Hat dir dein Prinz Karl das Haar zerzaust,
dann schnell zu Hänschen Nietz gesaust.
Er macht dein Köpfchen dir wie neu,
drum keine Angst und Bla-ahoi!


Wenn dein Kostüm dir gut gefällt,
schnell vor den Apparat gestellt,
denn Foto-Fehrmann macht das prächtig,
und lachen kannst du später mächtig.


Am Marktplatz gleich ein Gasthaus steht,
wo's auch am Fasching hoch hergeht.
Bedient wirst du im weißen Frack
vom Kronenwirt, Herrn Ewald Mack.


Willst Fasching du gut Rungfunk hören,
und viele Geräusche die Sendung stören,
nimm dein Gerät und bring es fort,
bei Germscheid ist der rechte Ort.

Damenschlüpfer, Unterhosen,
Kragenknöpfe, schöne Blusen
kaufst du stets preiswert ein
bei Schlegel Fritz in Blankenhain.


Die Firma Schmundt bedient dich gut.
Ihr Schnaps und Wein geht dir ins Blut.
Geh heut noch hin und kaufe ein,
zum Fasching muß man fröhlich sein.


Auf der Alm, da gibt's ka Sünd,
da gehts hoch her, mein blondes Kind.
Stell dich nicht zu den Gaffenden,
gehe rein in's Haus der Schaffenden!


Brauchst du 'nen festen Grund im Magen,
bei Wurscht - mußt du danach fragen.
Hol bei Moisa Speck, Schinken und Wurscht,
dann auf zum Fasching: ”Guten Durscht!“


Fette, Oele, Waschbenzin,
Walter Kießler bringt dir's hin.
Zum ”tanken“ ist er stets bereit,
aber nicht zur Faschingszeit.


Kommst du vom Bahnhof nach Blankenhain,
dann kehr bei Lina und Hermann ein.
Im Thüringer Hof zum Faschingsfeste
bedient man dich auf's Allerbeste.


Auch die Frisur muß närrisch sein,
drum schnell zu Erich Müller rein.
Man dreht dir Löckchen, legt dir Wellen,
bei Gisela mußt du das bestellen.


Semmeln, Schnaps und Zigaretten,
darauf kann ich mit dir wetten,
kriegst zum Fasching nirgendwo,
besser als in der HO.


Kaufen Ziegenmilch ”ang gro“
und fertigen Käse für die HO.
Unsre Milch - hygienisch einwandfrei -
empfehlen wir für jeden Brei.     Molkerei Blankenhain


Lampen, Mühlen und Karaffen,
Larven für den Faschingsaffen,
alles, siehst du, gar nicht dumm,
gibt's in Blänksch im Industrie-Konsum.


Brennt es nach dem Fasching so,
dann geschwind zur Fisch-HO.
Sauren Hering, nur nicht Wurscht,
löscht dir gleich den größten Durscht.


O, wie war mein Bett so weich
nach dem schönen Faschingsstreich,
und wie war ich endlich froh
in dem Bett von der HO.

 

 

Mehr wissn mer nich



Bitte nicht lesen !!!

Ja, haben Sie nicht die Überschrift gelesen? Haben Sie denn nicht gesehen, daß Sie diese Zeilen überspringen sollen? Also, warum in aller Welt lesen Sie dann weiter? Glauben Sie mir: Sie werden nicht das geringste davon haben. Also, blättern Sie schon um!
Wenn Sie immer noch nicht aufgehört haben, vergeuden Sie nur Ihre Zeit. Dies ist genau der Augenblick, wo Sie beweisen können, daß Sie Charakter genug haben, um aufzuhören.
Haben Sie nicht verstanden? Aufhören! Augenblicklich!
So, jetzt sind Sie glücklich schon bei der Hälfte. Und Sie lesen immer noch weiter. Sie können sich einfach nicht helfen: Sie müssen auch noch die nächsten Zeilen lesen.
Oder können Sie aufhören?
Nein, natürlich nicht! Ich habe recht gehabt.
Um Gotteswillen, was haben Sie denn bloß davon? Nichts, rein gar nichts. Aber Sie tuen, als ob Sie verhext wären. Jetzt sind doch nur noch ein paar Zeilen übrig. Also, nun zeigen Sie endlich, daß Sie ein bißchen Willenskraft haben und machen Sie Schluß!
Aber Sie sind wahrscheinlich noch immer neugierig genug, weiterhin Ihre Zeit zu vertrödeln und auch noch die allerletzten Wörter zu lesen.
Oder etwa nicht ... ???
Und wirklich, schade um Ihre schöne Zeit!!!



Ein Blick in die Zukunft Blankenhains

Im Jahre 1958 wird eine große Turnhalle gebaut.
Im Jahre 1965 wird der Bau einer Untergrundbahn in die Vororte Bad Berka und Kottenhain beendet.
Im Jahre 1973 wird der Flugverkehr mit Raketenflugzeugen nach Saalborn aufgenommen.
Im Jahre 1998 bekommt die lange Leitung vom Stadtrat zur Bevölkerung endlich Kontakt.
Und im Jahre 2001 wird die Umgestaltung des Friedensparkes beendet sein.

Verantwortlich für die Zusammenstellung: Prinz Carl I. vom Schafholzberg und der Elferrat
Verantwortlich für den Inhalt: Alle Blänkschen
Verantwortlich für die Fehler: Die närrische Zeit

Am Ende: Besten Dank allen, die mit oder ohne Wissen
Material zur Bereicherung dieses Blattes zur Verfügung stellten
und eine Bitte an die Unwissenden: "Mach dir nischt draus".





Quellennachweis: Archiv - Fremdenverkehrsamt Blankenhain