Weimar-Berka-Blankenhainer Eisenbahn

Die Weimar-Berka-Blankenhainer-Eisenbahn (WBBIE)

Im Jahre 1847 erhielt das Großherzogtum Sachsen-Weimar seinen ersten Kontakt mit der Eisenbahn durch die Eröffnung der privaten Thüringischen Bahn (Halle - Weimar - Eisenach).
Die Planung zum Bau der davon abzweigenden Weimar - Geraer - Eisenbahn begann um das Jahr 1860. In der wirtschaftlichen Entwicklung waren die vom modernen Verkehrswesen, der Eisenbahn, nicht erschlossenen Gebiete benachteiligt. Deshalb stellte der Gemeinderat der Stadt Blankenhain den Antrag, eine abzweigende Bahn von der zu bauenden Strecke (Weimar - Gera) nach Blankenhain zu führen. Dieser Antrag wurde jedoch vorerst von der Landesregierung abgelehnt.

Die erst am 29.06.1876 eröffnete Weimar - Geraer - Eisenbahn erhärtete erneut den Wunsch nach einem Bahnanschluß nach Blankenhain. Daraufhin konstituierte sich in Blankenhain ein Eisenbahnkomitee, welches der "Centralverwaltung für Secundairbahnen Hermann Bachstein Berlin" sein Anliegen vortrug. Es wurden zwei verschiedene von Mellingen ausgehenden Streckenführungen ausgearbeitet und behandelt. Aber wegen der zu hohen Kosten nahm man als Ersatz die Strecke Weimar - Berka - Blankenhain mit Abzweig nach Tannroda in Aussicht. Das Großherzogliche - Sächsische Staatsministerium gab am 18.03.1882 dem Antrag seine zustimmung.
Die Staatsregierung hatte die Absicht, den Bahnbau selbst zu finansieren. Um das zu erreichen, kam es darauf an, die benötigten Grundstücke von den Gemeinden möglichst kostenlos zu erwerben. Die Stadt Weimar zeigte an dem geplanten Bahnbau kaum Interesse. Nach langen Verhandlungen bewilligte der Gemeinderat von Weimar einen Zuschuß von 30.000 Mark und stellte die gemeindeeigenen Grundstücke kostenlos zur Verfügung. Der bereits im Jahr 1884 ausgehandelte Bau- und Betriebsvertrag zwischen der Großherzoglich-Sächsischen Staatsregierung und dem "Mitteldeutschen Eisenbahnkonsortium", bestehend aus der Bank für Handel und Industrie zu Darmstadt und dem Eisenbahnunternehmer Bachstein, wurde am 18.02.1886 unterzeichnet, nachdem der Landtag in Weimar erst am 02.02.1886 zugestimmt hatte. Zum Bau der Strecke wurde eine Pauschale von 1 600 000 Mark für den Bau und zur Beschaffung der Betriebsmittel bewilligt. Nach der Unterzeichnung des Bauvertrages begannen im März 1886 die Arbeiten, so daß bereits im Juli 1886 die Strecke Weimar - Nohra fertggestellt war. Am 14.04.1887 war die Strecke so weit erbaut, daß eine Probefahrt bis Tannroda unter Beteiligung des Großherzoges stattfinden konnte.

Zum Zweck der Kostenersparnis verlegte die Baufirma die Gleisanlage zu großen Teilen auf bereits vorhandene Straßen. Einen zum Teil erheblichen Bauaufwand der Trasse, machten die vielen Dämme und Einschnitte. Schon während der Bauzeit kam es wegen zu geringer Entlohnung der Arbeiter und schlechter Arbeitsbedingungen zu Streiks, die der Weimarische Staat mit Zuchthaus- und Gefängnisstrafen beantwortete. Am 15. Mai 1887 eröffnete der Großherzog feierliche die Weimar - Berka - Blankenhainer Eisenbahn (WBBIE), mit Abzweig nach Tannroda für den Personenverkehr. Der Güterverkehr wurde am 13.06.1887 eröffnet.
Nach landespolizeilicher Abnahme konnte am 14.10.1888 der Streckenabschnitt Tannroda - Kranichfeld für den Person- und Güterverkehr freigegeben werden. Bereits in den ersten Betriebstagen gab es Probleme mit dem Oberbau. Die Lok des ersten fahrplanmäßigen Zuges entgleiste, da es bei einem Wolkenbruch bei Hetschburg zu einem Dammrutsch kam. Nach der Reparatur verkehrten täglich vier Zugpaare. Dabei konnte an Feiertagen der wachsende Verkehr oftmals nicht bewältigt werden. Von Bahnbetriebsunfällen blieb die Strecke in der Folgezeit auch nicht verschont.

Da die Züge auf dem im Straßenbereich verlegten Strecke immer mehr durch den wachsenden Straßenverkehr behindert wurden, verlegte man diese Abschnitte auf eigene Bahnkörper. In den Anfangsjahren der WBBIE wurden überwiegend gemischte Züge gefahren. Durch verkehrsverbesserungs Maßnahmen wurden im Jahre 1926 Personen- und Güterverkehr weitgehend voneinander getrennt und danach täglich fünf Reisezugpaare gefahren. 1934 wurde der alte Lokschuppen (1887 gebaut) in Blankenhain durch einen wesentlich längeren massiven Neubau ersetzt.

Nach Lieferung des ersten Triebwagens im Jahre 1935 führte die Verwaltung Sonderfahrten und besondere Kaffee-Fahrten verstärkt ein. Im Reiseverkehr war eine Steigerung zu verzeichnen, so daß 1938 zwischen Weimar und Bad Berka werkstags 19 Reisezüge verkehrten. Im Verlauf der faschistischen Kriegsvorbereitungen entstand unweit der Trasse zwischen Bad Berka und München ein Tanklager der Luftwaffe mit Anschlußbahn. In den letzten Kriegswochen beschossen alliierte Flugzeuge von Februar bis April 1945 mehrfach Züge und Anlagen. Die Aufräumungsarbeiten begannen am 20. April 1945. Die Wiederaufbauarbeiten gestalteten sich wie überall im Lande schwierig, da Material jeder Art kaum zu beschaffen waren. Am 01. April 1949 erfolgte die Übernahme aller ehemaligen Privat- und Kleinbahnen im Bereich der damaligen sowjetischen Besatzungszone durch die Deutsche Reichsbahn. Seit dieser Zeit unterstand die ehemalige Weimar - Berka - Blankenhainer - Eisenbahn der Rdb Erfurt. Der nach 1950 einsetzende Aufbau der Volkswirtschaft verlangte auch von den Eisenbahnern ständig höhere Leistungen. Bau- und Brennstofftransporte standen im Güterverkehr im Vordergrund.

In den ersten Jahren mußte die DR große Anstrengungen unternehmen, um die Betriebsfähigkeit der veralteten Anlagen weiter zu gewährleisten. Den gestiegenen Belastungen hielten die Gleisanlagen bald nicht mehr stand. Auf vielen Abschnitten rechtfertigten sich die Gleisumbauten wegen der damaligen wirtschaftlichen Bedingungen nicht. Deshalb Reduzierte man die Streckengeschwindigkeit in diesen Abschnitten auf 20 km/h, in Gleisbögen teilweise auf 10 km/h.
Der anfangs sehr starke Berufs- und Ausflugsverkehr nahm durch die schrittweise Erweiterung des Busliniennetzes in der Folgezeit langsam ab. Zwischen Bad Berka und Blankenhain sank wegen der zu niedriegen Streckengeschwindigkeit die Auslastung der Reisezüge im Jahr 1965 ab, so daß man aus ökonomischen Gründen auf eine Rekonstruktion des Oberbaus verzichtete und am 04.06.1966 den Reiseverkehr und am 24.09.1967 den Gesamtverkehr einstellte.
Die stillgelegte Strecke wurde bis 1970 zurückgebaut.





Historische Fotos
Bahnhof Blankenhain um 1960
Bahnhof Blankenhain
Ausfahrender Personenzug
in Richtung Bad Berka
Sommer 1950
Der "fliegende Bankenhainer"
Doppeltriebwagen Teag T05
am km 4,8 (im Hintergrund das Gut Krakau)
um 1935
Triebwagen T 10
im Bahnhof Blankenhain








Impressum:
Quellennachweis: 100 Jahre Weimar-Berkaer Eisenbahn
Textbearbeitung: Fred Ruppe