Weimar Porzellan

Weimar Porzellan - seit 1790

Büste von
Christian Andreas
Wilhelm Speck


Im Jahre 1761 untersuchte der Apotheker und damalige Bürgermeister von Blankenhain Währlich die in unserer Gegend vorkommenden Erden und Gesteine und fand heraus, daß sich hieraus ein "fein Porzellan und Steingut" herstellen läßt. Auf seine Anregung hin kam im Jahre 1780 Christian Andreas Wilhelm Speck nach Blankenhain, der zuvor in der Greinerschen Porzellanfabrik in Großbreitenbach im Thüringer Wald gearbeitet hatte. Als Mann mit Weitblick und Unternehmungsgeist beschloß Speck, sein Glück in Blankenhain zu suchen. Er kaufte das 1780 erbaute Schießhaus und wandelte es zu einer Porzellanfabrik um. Dazu wurde ihm am 1. Juli 1790 von Carl Friedrich Graf von Hatzfeld die Erlaubnis erteilt. Somit wurde das Jahr 1790 zu Geburtsjahr des Porzellanwerkes.

Bereits 1797 besuchte Speck mit seinen Blankenhainer Porzellanerzeugnissen zu ersten Male die Leipziger Messe. Die erste Fabrikmarke war ein blaues "S" unter der Glasur. Vorwiegend wurde Gebrauchsgeschirr hergestellt, aber auch Tabakspfeifen mit Porzellandeckel und Pfeifenköpfe in verschiedenen Formen. Tassen und Teller sind weiß und vielfach mit einem breiten Goldstreifen versehen, aber auch mit Landschaften und anderen Bildern verziert.

Ein Teller des Hochzeitsservices
von Specks Tochter Wilhelmine

Heute noch sind einige Tassen aus dem Jahre 1790 sowie Teile des Hochzeitsservices von Specks Tochter Wilhelmine erhalten. Den quarz- und feldspathaltigen Sand gewann Speck in Schwarza unmittelbar bei Blankenhain im Untertagebau. Im Jahre 1816 beschäftigte Speck 155 Arbeiter und Angestellte. Am 26. Juni 1817 fiel fast die gesamte Fabrik einem Brande zum Opfer. Bereits 1821 durfte gegen eine Abgabe von 10 Prozent jährlich für 15000 Reichstaler Porzellan nach Preußen ausgeführt werden. Wie beliebt das Blankenhainer Porzellan schon damals gewesen sein muß, geht auch aus Tagebuchaufzeichnungen Goethes von März 1816 und September 1829 hervor.

Am 30.Dezember 1830 stirbt Christian Andreas Wilhelm Speck im Alter von fast 70 Jahren. Der zweite Besitzer der Porzellanfabrik wurde Landkammerat Vogt, der den von Speck begonnenen Bau eines massiven Fabrikgebäudes mit Brenn- und Schmelzöfen beendet. Seit März 1836 war der Kaufmann Sorge aus Auma Besitzer der Fabrik. Mit ihren rund 150 Beschäftigen war die Porzellanfabrik eindeutig der wichtigste Betrieb in der Stadt. Mit dem Übergang der Porzellanfabrik in den Besitz der aus Selb in Bayern nach Blankenhain gekommenen Familie Fasolt, folgte dem Stillstand der vierziger Jahre ein neuer Aufschwung. Nach dem Tode von Viktor Fasolt führte seine Witwe Elisabeth die Fabrik weiter, um sie 1879 in die Hände ihrer beiden Söhne Max und Karl zu geben. Mit der sich entwickelnden Produktion besonders im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts erfolgte ein sich ständig steigender Grad der Technisierung des Betriebes.
In der Brennerei wurden drei große Öfen mit absteigender Flamme zum Glüh- und Glattbrand betrieben. Der Bau der Eisenbahnlinie von Weimar nach Blankenhain im Jahre 1887 verbilligte die Transporte. Im Jahre 1890 wurde in der Porzellanfabrik der Porzellanarbeiterverband gegründet. 1897 wurde eine Anlage die Elektrizität erzeugt gebaut. Bei Havarien und Stillstand übernahm ein Akkumulatoren-System die Stromversorgung. Die Elektrische Beleuchtung bestand aus 800 Lampen.

Tasse mit
Reiter in der Landschaft
und Goldränderung um 1810

Nach dem Tote von Max Fasholt ging die Fabrik in den Besitz der "Duxer Porzellanfabrik AG" über. Von dieser kaufte sie 1917 der Kaufmann Carstens aus Hamburg. In diesem Jahr waren in der Fabrik 300 Arbeiter/innen sowie 20 Beamte tätig. Später ging die Fabrik an eine Erbengemeinschaft über, die aus Carstens Frau und seinen beiden Söhnen bestand. In diesem Besitz verblieb sie bis zum Jahre 1948. Sie trug nun die Bezeichnung "C. & E. Carstens Porzellanfabrik Blankenhain, Inhaber Ernst Carstens Erben". Ihm gelang es auch den Export wesentlich zu erweitern. Zu den Kunden gehörten Belgien, England, Finnland, die Niederlande, Spanien, die Ukrainische SSR, die USA und die Länder des Orients.
Im Jahre 1928 wurde die Produktion neu organisiert. Ziel war es, eine Sonderklasse herzustellen, die sich in überdurchschnittlicher Qualität nach den guten Geschmack der Käufer richten sollte. Erstmals wurden die Erzeugnisse als "Weimar Porzellan" bezeichnet.
Noch 1944 wurde das Werk auf Kriegsproduktion umgestellt. Hergestellt wurden Isolatoren und Wehrmachtsgeschirr. Ausländische Arbeiter wurden zur Zwangsarbeit in der Porzellanfabrik gezwungen. Zur Leipziger Frühjahrsmesse 1947 wurde zum ersten Mal wieder Blankenhainer Porzellan gezeigt. Am 1. Januar 1947 wurde eine Werkküche im Betrieb eingerichtet. Täglich erhielten die Betriebsangehörigen eine warme Mahlzeit zusätzlich ohne Abgabe von Lebensmittelkarten. Den größten Teil der Kosten übernahm der Betrieb. Ab 1. Juni 1948 erhielt jeder Betriebsangehörige zusätzlich 40 Zigaretten (für die Raucher eine Freude, für die Nichtraucher ein Tauschobjekt). Das Überführen der Carstens’schen Porzellanfabrik in Volkseigentum wurde zu einem Stück Klassenkampf. Am 24.Juli 1946 trat im Land Thüringen die Verordnung über die Enteignung der Kriegs- und Naziverbrecher in Kraft. Die Carstens, die zu den aktiven Förderern der NSDAP gehörten, wehrten sich lange gegen die Enteignung des Betriebes. Den Porzellinern gelang es am 18.Juli 1948 das Werk in das Eigentum des Volkes zu überführen. Der erste Direktor des volkseigenen Betriebes Porzellanwerk “Weimar - Porzellan“ wurde Kurt Schmeißer, später Handelsrat und Direktor der Leipziger Messe.
1960 wurde der Betrieb umfangreich erweitert. Zwei Jahre später konnte die Kobaltporzellan-Herstellung vorfristig aufgenommen werden. Im April 1979 wurde der Grundstein für das wichtigste Teilobjekt, eine neue Produktionshalle von 6000 m² Fläche gelegt. In dieser Halle wurden 200 Werktätige im Schichtbetrieb beschäftigt.
Das "weiße Gold" aus Blankenhain geht in alle Welt und erfreut die Menschen.

 

Impressum:
Quellennachweis: “Weißes Gold“ aus Blankenhain
Photonachweis: Fred Ruppe / Photo von Büste: Weimar Porzellan