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Rettwitz

 

Kirche zu Rettwitz
Kirche zu Rettwitz

Die Gemeinde Rettwitz liegt etwa 4 km südlich von Blankenhain entfernt.
Schon Goethe kannte den in einem Waldstück versteckt gelegenen kleinen Ort Rettwitz. Rettwitz wurde erstmals in einer Urkunde des Bischofs Thimo von Bamberg für Kloster Pforte im Jahre 1199 als Rethwiz erwähnt. Der Ort ist eine geplante slawische Ansiedlung in unmittelbarer Nähe eines schon bestehenden alten Dorfes. Der Ortsname ist slawischen Ursprungs und bedeutet "zu den Leuten des Rat" (slaw. Personenname).

Das Dorf gehörte zur Herrschaft Niederkranichfeld und ging dann an die Herrschaft Blankenhain über. Die ökonomischen Verhältnisse waren von der Landwirtschaft bestimmt. Es herrschten groß- und mittelbäuerliche Besitzstrukturen vor. Um 1610 und auch im 18.Jahrhundert gab es 4 Bauern mit Hufenbesitz (Anspänner) und 10 Hintersattler (Handfröner). Am Ende des 19.Jahrhunderts wurde Rettwitz als eine "Bauernaristokratie" geschildert, "in der zwei Häuslerfamilien gute Nahrung haben". Die Bauern befanden sich "für die hiesige Gegend in ansehnlichem Wohlstand", und es herrschten "gute Sitten und häuslicher Sinn".

Das Handwerk hatte keine Bedeutung: im Jahr 1802 3, 1858 kein, 1880 1 und 1930 kein Betrieb. Seit dem 19.Jahrhundert bestand eine Schenke. Früher litt der Ort häufig an Wassermangel.
Die Kirche war Filial von Thangelstedt. An der Kirche mit der Jahreszahl 1592 fällt vor allen Dingen der sehr alte Turm auf. Dieser gilt als einer der am besten durchgebildeten Chortürme zwischen 1200 und 1250. Der Taufstein im inneren der Kirche trägt die Umschrift: "Lasset die Kindlein zu mir kommen". Der Ort besaß keine Schule und wurde nach Krakendorf eingeschult.


Am 21.08.1999 feierte die Gemeinde Rettwitz ihr 800-jähriges Bestehen.
 

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um 730: Missionsgebiet des Bonifatius (675 - 754), danach wohl erste Kapelle aus Holz
nach 800: erste Kirche aus Stein mit halbrunder Apsis (1987 ausgegraben)
nach 1100: romanisch überbaut, runde Lichtöffnung an Süd-Turmwand, durch die am St.-Gallus-Tag (16. Oktober)
12.00 Uhr die Sonne auf eine bestimmte Stelle an der Nordwand im Raum über dem Turmgewölbe scheint
Ersterwähnung Rettwitz 1199 durch Bischof Thimo von Bamberg Termin Kirchweihfest ist Sonntag nach St. Gallus
nach 1300: Fresken im Altarraum (Gemälde auf frischem Putz), 1988 teilweise wieder freigelegt
um 1500: gotischer Schnitzaltar (Werkstatt unbekannt, Flügel nicht mehr vorhanden, 1985 in den kirchlichen
Werkstätten Erfurt von Übermalungen befreit und im ursprünglichen Farbbestand verfestigt)
1718: barocke Umgestaltung: Kanzelaltar (1985 abgebaut zum Verleihen) Kanzel mit Christuskopf von
Kunstmaler Herger/Remda ca.1882; Inschrift des Altar jetzt im Eingangsbereich
1825: Schulze-Orgel
1884: 2 Bronzeglocken, die größere 1917 für Kriegszwecke eingeschmolzen
1940, 1949, 1955: Blitzeinschläge (1948 und 1949 Dachreparaturen)
1980: neue Fenster, Vorbereitung für Renovierung durch Jugendliche aus Rettwitz und Hochdorf
1985: Holzeinschlag: Superintendentur Gerüst: Spende von der Partnerkirche aus Steinheim/Murr
1986: barocke Turmhaube abrißreif (10.9.);
Ringanker (29.11.);
Notdach
1987: Neuaufbau Turmhaube, Knopf 9.11.
1988:  Innenerneuerung
1989: Drainage, Grabungen, Ausmalung
1990: 28.10. Kirchweihfest
1991: neue Bestuhlung (wie Kunstschiefer eine Spende der Partnerkirche)
Orgelreparatur
1995: neuer Glockenstuhl

  

 
 
 

  
 



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quellennachweis: Der Landkreis Weimar - Eine Heimatkunde -Infoblatt Kirche Rettwitz von Dorit Grau
Photonachweis: Fred Ruppe