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Thangelstedt

 

Thangelstedt
Kirche zu Thangelstedt

Die Gemeinde Thangelstedt liegt etwa 5km südwestlich von Blankenhain entfernt.
Der Ort wurde erstmals 954 in der Chronik Res gesta Saxonia des Widekind von Corvey als Suveldun genannt. Im Jahre 1136 wurde das Dorf Sufelt und 1319 Saufeld genannt. Sprachlich gehört der Ortsname zu ahd.su, was soviel wie Wildsau heißt. Seit etwa 1681 setzte sich allmählich der Name Thangelstedt nach dem Familienname eines Rittergutsbesitzers durch. In den Gemeinderechnungen wurde der Ort aber noch bis 1800 Saufeld genannt.
> Der alte Ortsname ist 1960 im Namen der LPG Typ I aufgenommen worden, die 1968 in die LPG "Goethetal" Typ III aufging. <

Im Jahre 954 schloß im Ort König Otto I., von Arnstadt zur Jagt kommend, mit seinem Sohne Ludolf Frieden. Das Dorf lag auf altem Reichsgut. Im 12.Jahrhundert ist allerdings bereits Besitz der edelfreien Geschlechter des Weimarlandes nachweisbar, später des Grafen Wichmann und im 13.Jahrhundert der Grafen von Weimar-Orlamünde. Im 14.Jahrhundert erscheint ein Adelsgeschlecht von Saufeld. Dann kam der Ort an das zweigeteilte Rittergut Tannroda.

Die Bewohner trieben vor allem Landwirtschaft. Groß- und mittelbäuerliche Höfe bestimmten die landwirtschaftliche Besitzstruktur. Es gab 1715 im Thangelschen Anteil 8 Anspänner und 13 Handfröner, im Gleichenschen Anteil 11 Anspänner und 12 Handfröner. Das Rittergut kam 1776 an die Weimarische Landesherrschaft, wurde zunächst als Kammergut weitergeführt, dann aber 1851 und 1869 vereinzelt und an Bauern verkauft. Nur das als Herrenhaus dienende "Schloß" blieb übrig. Thangelstedt war ein Gutsdorf, ohne eigentlich ein Gut zu besitzen, in dem beim Übergang vom Feudalismus zum Kapitalismus schwierige soziale Verhältnisse herrschten. Die Bevölkerung setzte sich aus zwei größeren Bauern, einer Anzahl mittlerer Landwirte und einer großen Zahl von Häuslern und Tagelöhnern zusammen und zeigte eine starke soziale Differenzierung. Neben der Landwirtschaft wurde im 18. und 19.Jahrhundert auch Leineweberei, Raschmacherei, Zeugmacherei und Tuchweberei betrieben. Später kamen noch Korbflechterei als Hauptgewerbe und als landwirtschaftliches Nebengewerbe hinzu. Die Zahl der Handwerksbetriebe war daher nicht gering. Es gab 1858 6 sowie 1880 und 1930 je 9 Betriebe. Eine Schenke "Zur grünen Eiche" wurde 1707 errichtet, im 19.Jahrhundert besaß das Dorf zwei Gaststätten.

Seit dem Ende des 19.Jahrhunderts wandelte sich die Sozialstruktur, als immer mehr Bewohner Arbeit in gewerblichen Anlagen der Umgebung annahmen und Arbeiter sich hier niederließen.
Der Dreißigjährige Krieg brachte schwere Bevölkerungsverluste und materielle Schäden. Es konnten 1642 nur 8% der Ackerfläche bestellt werden.
Eine Pfarrei wurde erstmals 1509 erwähnt und bestand bis 1925. Die Kirche war Filial von Tannroda. Eine Schule läßt sich bis 1570 zurückverfolgen. Ein Schulneubau wurde 1908 errichtet.
Ein altes Gemeindesiegel zeigt den Eingang einer Mauer, darin einen Turnierhelm. Ein anderes Siegel zeigt ein springendes Wildschwein.


Quellennachweis: Der Landkreis Weimar - Eine Heimatkunde